Mehr als nur eine app – ein kurzer Moment zwischen Gewohnheit und Entscheidung
Update (02.04.26): Nach einem Fernsehinterview zu diesem Thema habe ich am Ende des Artikels noch eine zusätzliche Reflexion ergänzt.
Ich stehe in der Stadt und warte auf eine Freundin. Suchend blicke ich mich kurz um: Menschen gehen vorbei, irgendwo spielt Musik, ein Auto fährt langsam durch die Straße. Meine Freundin ist noch nicht da. Und fast automatisch wandert meine Hand zum Handy. Nur kurz schauen. Nachrichten. Vielleicht noch schnell Social Media. Ein Blick in die Mails. Und ehe ich es richtig merke, bin ich nicht mehr hier – sondern irgendwo zwischen Updates, Schlagzeilen und kleinen Informationshäppchen.
Es gibt viele dieser kleinen Momente im Alltag, in denen wir ganz automatisch zum Smartphone greifen. Und oft ist es ein unbewusster Griff, der uns für mehr oder weniger lange Zeit in der digitalen Welt verschwinden lässt.
Und genau in solchen Momenten stellt sich für mich eine einfache Frage: Muss das eigentlich so sein?
Was, wenn ich eine Ressource hätte, die mir hilft, bewusster mit meinem Handy umzugehen?
Sind Digital-Detox-Apps diese Ressource?
Nach über einem Jahr ausprobieren von verschiedenen Apps und Ansätzen ( siehe Meine Erfahrung nach 1 Jahr Digital Detox apps), lautet meine Antwort ganz ehrlich: nein. Oder genauer gesagt: Sie sind es sicher nicht allein.
Die Apps helfen mir. Sie erinnern mich, machen sichtbar, was sonst im Alltag untergeht, und schaffen kleine Stopp-Momente. Genau diese kurzen Unterbrechungen sind oft entscheidend – sie holen mich aus dem automatischen Scrollen und Konsumieren heraus.
Aber sie treffen keine Entscheidung für mich. Die eigentliche „Ressource“ liegt woanders:
in meiner EIGENEN Fähigkeit, diesen Moment wahrzunehmen – und bewusst zu entscheiden, wie ich meine Zeit verbringen möchte.
Die Apps unterstützen mich dabei.
Aber gehen muss ich den Schritt selbst.
Meine Entscheidung für einen bewussten Umgang
Ich stehe noch immer in der Stadt und warte auf meine Freundin. Die Hand wandert zum Handy in der Tasche. Beim Öffnen meiner Lieblingsapp werde ich gefragt, warum ich das jetzt tue. Und ich lasse das Handy wieder in der Tasche verschwinden.
Ich lasse den Blick schweifen.
Beobachte die Menschen um mich herum.
Bleibe an einem Plakat hängen und muss kurz schmunzeln.
Zähle die Hunde, die an mir vorbeilaufen.
Und irgendwo dazwischen entsteht etwas, das ich vorher fast übersehen hätte:
Ein ruhiger Moment.
Ganz ohne Scrollen.
Ganz ohne etwas zu verpassen.
Kommentar nach Interview im ZIB Magazin Media, ORF1, ausgestrahlt am 01.04.2026
Das Gespräch im Fernsehen hat mir noch einmal etwas bestätigt, das ich in den letzten Monaten selbst erlebt habe: Es geht nicht darum, die perfekte App zu finden oder die Nutzung des Smartphones dadurch komplett zu streichen. Es geht darum, wieder mehr mitzubekommen, was wir eigentlich tun – und sich bewusst entscheiden zu können.
Für mich ist das auch eine Bestärkung, genau in diese Richtung weiterzuarbeiten. Menschen dabei zu unterstützen, ihren eigenen Umgang mit digitalen Medien zu finden – ohne Druck, wenn’s hilft mit Regeln, und allem voran mit Selbstbestimmung und dem Fokus auf den eigenen Bedürfnissen und Selbstfürsorge.
